ARTICLE
THERAPEUTISCHER DIALOG IN DER CRANIOSACRAL THERAPIE
von Anthony P. Arnold, PhD
DAS THERAPEUTISCHE UMFELD
Als Therapeuten schaffen wir
einen sicheren und unterstützenden
Raum für unseren Klienten. Innerhalb dieses sicheren
Raumes, hat der Klient die Freiheit in einen entspannten,
rezeptiven Zustand zu kommen, der dem Alphazustand der
Meditation oder der Hypnose ähnlich ist. Jetzt kann
das sympathische Nervensystem seinen Aktivierungszustand
herunterfahren; der Parasympathikus hat Gelegenheit seine
Reparaturfunktionen, die Zellversorgung und Immunfunktionen
zu Stärken. Die ordnenden und heilenden Kräfte
des Klienten werden dadurch reaktiviert. Diese inneren
Kräfte ermöglichen die tief wirkenden Abläufe
therapeutischer Freisetzungen. Heilung kommt von innen
heraus, ausgelöst und dirigiert von den natürlichen
Ressourcen von Körper und Geist.
In Craniosacral fördern
wir dieses Wiedererwachen durch die besondere Art der Berührung
und Präsenz.
Es ist eine leichte Berührung. Sie ist für den
inneren Prozess förderlich. Präsenz und Achtsamkeit
gehen Hand in Hand. Präsenz bedeutet da zu sein, im
Moment zu sein, an diesem Ort mit dieser Person. Es bedeutet
auch wach zu sein, Sich selbst bewusst zu sein. Sich bewusst
zu sein, gegenüber den eigenen wechselnden physischen
und emotionalen Befindlichkeiten.
Ein Zustand der Ruhe und
des Vertrauens öffnet die
Kanäle der intuitiven Kommunikation. In diesem ruhigen
Zustand bin ich empfindlicher für die feinen Botschaften
von Körper zu Körper, Geist zu Geist, Herz zu
Herz.
Craniosacral wurde aus der manipulativen Tradition heraus
geboren, in der der Therapeut die Heilung angeleitet hat.
Seit ihren Anfängen, haben wir gelernt, dass sanfte
Unterstützung mehr bewirken kann als Druck und Anleitung.
Muskeln und Gewebe lockern sich, Gelenke gewinnen ihre
Beweglichkeit zurück, Der Geist wird angeregt. Diese
Erholungsphasen entfalten sich von innen heraus. Die Erfahrung
hat uns gelehrt in wirksamer Weise an diesem stillen sich
Entfalten teilzuhaben, aufmerksam gegenüber den inneren
Stimmen von Beiden, Klienten und Therapeuten.
KONVERSATION IN DER THERAPIE
Miteinander zu sprechen ist ein natürlicher Teil des
Austausches zwischen dem Klienten und Therapeuten. Worte
können innere Erfahrungen ausdrücken; sie sind
Begleiter von Berührung und Präsenz. Die Herausforderung
die sich uns stellt ist zu entdecken wie Dialog in diesem
Austausch wirksam gebraucht werden kann, wie Worte als
harmonisches Konzert mit dem inneren Entfalten einhergehen
können.
Die effektive Anwendung der Sprache ist eine Widerspiegelung
unserer physischen Berührung und Präsenz. Therapeutischer
Dialog und leichte
Berührung mit den Händen entsprechen sich. Wir
sind in Berührung, ohne Druck: respektvoll dem Klienten
gegenüber, dem nicht sichtbaren Prozess vertrauend,
Raum gebend, folgend und unterstützend.
Es wird nicht dauernd gesprochen, sondern zeitweilig.
Momente der Stille nähren die Achtsamkeit; effektive
Sprache entspringt der Achtsamkeit.
DAS EINBRINGEN VERBALER KOMMUNIKATION
Craniosacral kann eine sehr ruhige Erfahrung sein. Manche
Menschen genießen es in eine tiefe Stille einzutauchen,
und den größten Teil der Sitzung darin zu verweilen.
Dies kann eine sehr erholsame und nährende Erfahrung
sein, in der der Körper und mit all seinen Möglichkeiten
Wunder der Entspannung, der energetischen Reorganisation
und Schmerzlösung vollbringt.
Und doch ist verbale Rücksprache wichtig, selbst mit
einer Person die wir gut kennen. Noch wichtiger wird sie,
wenn der Klient Schmerzen hat. Dann kann die Reaktion auf
Berührung an verschiedenen Körperarealen sehr
unterschiedlich sein.
BEGINN
Zu Beginn einer Sitzung, stelle ich für gewöhnlich
diese Frage: Was wünschen Sie sich von dieser Sitzung?
Was möchten Sie mir über Ihren Körper sagen?
Diese Fragen jemandem zu stellen den wir kennen mag überflüssig
erscheinen. Jedes mal jedoch, gibt es der Person die Chance
darüber nachzudenken und auszudrücken was im
Moment vor sich geht. Es ermutigt die Person dazu eine
Absicht zu formulieren. Die Intention mag groß oder
klein sein. Das spielt keine Rolle.
Die Frage ermutigt den Klienten zu erkennen, dass eine
Wahlmöglichkeit da ist. Die Intention des Klienten
ist keine Last für den Therapeuten, sondern ein innerer
Vorschlag an sein Selbst, seine Hoffnungen und Wünsche.
RÜCKSPRACHE: DIE ERFAHRUNG MITTEILEN
Verbales Feedback ist für uns als Therapeuten sehr
wichtig. Es ist unmöglich, intuitiv all die Gefühle
und Erfahrungen zu erkennen, die der Klient durchlebt.
Ich mag mich wohl fühlen und in Kontakt mit dem Klienten,
aber die Berührung oder Nähe lässt eine
für Ihn schwierige Empfindung auftauchen. Ich frage
also einfach: „Wie ist das für Dich?“ oder, „Was
spürst Du? (…fühlst, bemerkst Du?)“ Die
Frage ist einfach und offen, einladend für jede Bemerkung
von der Person auf dem Tisch.
Oder ich frage spezifischer, “Ist diese Handposition
angenehm?”
Auch der Klient möchte Feedback bekommen. Manchmal
ist es effektiver zu beschreiben als zu fragen. Hierbei
ist die Wahl der Worte wichtig.
Es mag sein, dass ich Verhärtungen, Verspannungen
oder Druck spüre. Ich möchte diese Eindrücke
so formulieren. Diese Eindrücke möchte ich so
in
Worte fassen, dass das was ich sage informativ aber auch
konstruktiv ist. Ich könnte sagen: „Ich spüre
etwas Verhärtung in diesen Muskeln.“ Dies ist
ein Hinweis darauf, dass die Verspannung relative ist,
nicht absolute.
Ich kann die Beobachtung auch anders formulieren, in dem
ich Worte gebrauche, die die Verspannung in einem größeren
Zusammenhang erscheinen lassen.
“Dieser Bereich hat sehr hart gearbeitet um Dir
Kraft zu geben oder Dich zu schützen. Jetzt kann er
die Gelegenheit wahrnehmen sich zu entspannen.“
“Er hat seine Arbeit getan. Jetzt kann er eine kleine
Pause machen.“
“Dieser Bereich kann eine andere Art des Haltens
ausprobieren.”
Manchmal sind wir von einem starken Gefühl oder
Bild berührt. Solche Emotionen und Bilder sind wertvoll,
doch sind sie für gewöhnlich von den Lebenserfahrungen
und der Persönlichkeit des Therapeuten gefärbt.
Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob mein Eindruck genau
in der Weise hilfreich ist, in der ich ihn wahrnehme. Aus
diesem Grund, spreche ich über ein Thema, ohne meine
persönliche Einfärbung und Beurteilung. Dies
stellt es dem Klienten frei, in seinen oder ihren eigenen
Worten darüber zu sprechen.
UMSCHREIBUNGEN UND HINWEISE
“Dieser Bereich kann sich wenn er möchte jetzt
entspannen, eine Pause einlegen in seinen Bemühungen.“
“Diese Muskeln haben sehr hart gearbeitet. Jetzt
haben sie eine Gelegenheit sich daran zu erinnern wie sie
entspannen können.
“Diese Muskeln haben für dich gearbeitet. Sie
sind nicht Deine Feinde; sie brauchen einfach Hilfe um
andere Möglichkeiten zu erkennen, um sich wieder an
ihre volle Beweglichkeit zu erinnern.“
Diese Art zu sprechen enthält eine Reihe von Suggestionen.
Ich erkenne an, dass die Muskeln hart für mich gearbeitet
haben. Anspannung und Halten ist eine der Funktionen von
Körpergewebe. Das Ziel der Konstriktion ist es, zu
schützen oder zu verstärken. Wenn wir aber unter
fortlaufendem Stress gearbeitet haben, können Muskeln
oft nicht in einen vollständig entspannten Zustand
zurückfinden. Sie sind weiterhin in Bereitschaft sich
anzuspannen, zu schützen.
Jetzt, in der Sicherheit dieser Sitzung, können
sie einen volleren Funktionsumfang wiedergewinnen: in der
Lage zu sein Beides zu sein locker und angespannt.
Ich spreche die Möglichkeit an, die Gelegenheit
sich an den vollen Umfang zu erinnern. Selbst wenn ich
zuerst auf Verhärtung und Verspannung treffe, spreche
ich in einer Weise, die Wertschätzung und Möglichkeit
ausdrückt.
Demzufolge kann Beschreibung neutral sein oder Hinweise
beinhalten. Oft ist das Ergebnis einer einfachen objektiven
Beschreibung, eine Bewegung und Öffnung. Weniger Worte
haben mehr Kraft als viele; „weniger ist mehr.“
STICHWORTE
Wenn wir Stichworte verwenden, wiederholen wir einfach
ein einzelnes Wort oder einen kurzen Satz von etwas was
der Klient gesagt hat.
Wir benutzen die eigenen Worte des Klienten, wir unterstützen
und bekräftigen die Erfahrung des Klienten. Dieser
Gebrauch stimuliert eher als auszufragen.
Der Klient beschreibt vielleicht ein Gefühl oder eine
Erinnerung. Die einfache Wiederholung eines Wortes zeigt
das Interesse und die Empfänglichkeit des Therapeuten.
Ein Wort mag eine mehr ins Detail gehende Erklärung
veranlassen. Gleichzeitig ist es oft die Einleitung zu
einer umfassenderen körperlichen Freisetzung.
Der Klient sagt, “Ich habe ein Bild von meinem
Vater als ich ein Kind war.” Ich antworte, „Dein
Vater.“ Oder, „Als Du ein Kind warst.“
Der Klient sagt, “Ich fühle mich leichter (mehr
entspannt, locker).“ Ich könnte antworten, „Ja.“ Ja,
akzeptiert, bestätigt die Klientenerfahrung, vertieft
sie.
Oder, ich kann einfach sagen, “Leichter.“ Das
kann beim Klienten eine umfassendere Beschreibung der seine
Erfahrung auslösen.
VORSCHLÄGE UND EMPFEHLUNGEN
Gewöhnliche Kommentare im sozialen Umgang haben eine
bestimmte Wirkung. Sie wirken auf das Bewusstsein und das
Unterbewusstsein, besonders dann, wenn der Empfänger
verletzlich ist. Beispielsweise kann eine Frage eine versteckte
Suggestion sein. Fühlst du dich müde? Fühlst
du dich gut? Hast du Schmerzen? Genießt du das? Die
darunter liegenden Suggestionen sind: fühle dich müde;
fühle dich gut; spüre den Schmerz, genieße
es.
Das ist der Grund warum Warnungen und Verbote einen gegenteiligen
Effekt haben: sie verankern im Kopf genau das, was nicht
erwünscht ist.
Im tiefen empfänglichen Zustand der Therapie, haben
die Worte des Therapeuten eine noch größere
suggestive Wirkung. Eine Beschreibung, ein Stichwort oder
ein Hinweis wird zu einer Suggestion, wenn das Bewusstsein
und das Unterbewusstsein diese Dinge aufnehmen und mit
ihnen arbeiten.
Aus diesem Grund möchte ich Worte verwenden die
ermutigen und bejahen. Die Worte beziehen sich auf das
was da ist, was geschieht. Sie helfen dem Klienten dabei
ein festes Fundament zu erkennen, auf das er aufbauen kann.
Der Klient hat gerade gesagt, “Ich beginne diesen
alten Schmerz in meiner Schulter zu spüren.” Wenn
ich das Wort Schmerz benutze, kann ich die Erfahrung des
Klienten bestätigen. Das kann aber als Erinnerung
oder Auslöser
für Schmerz dienen. Wenn ich dann aber spüre,
dass eine Art von Freisetzung aufgetreten ist, sage ich
bloß, „Die Schulter?“
Viele konstruktive Vorschläge sind in den vorangegangenen
Ausführungen, Stichworten und Hinweisen enthalten.
Sie bestätigen die Erfahrungen die jeder von uns macht.
Sie sind ermutigend, da sie die Bemühungen bestätigen,
die Körper und Geist unternommen haben. Sie sind nicht
entmutigend und überwältigend, indem sie Ratschläge
erteilen und persönliche Sichtweisen anbieten. Sie
sind förderlich und ermutigend, durch ihre minimale
Einfachheit, indem sie kleine Veränderungen anerkennen.
DAS ZIEL DES DIALOGES
Worte sprechen den rationalen Verstand an. In unserer
Kultur, beachten wir oft nicht die Hinweise die unsere
Sinne uns liefern während wir uns mit Gedanken und Sprache beschäftigen.
Als Therapeuten möchten wir in Harmonie mit dem körperlichen
Prozess bleiben während wir im Dialog mit dem Klienten
sind.
Therapie geschieht nicht über Nacht. Veränderung
ist ein organischer Prozess. Er geschieht von innen heraus.
Als Therapeuten freuen wir uns darüber mehr davon
zu erfahren was der Klient denkt und fühlt. Das größere
Ziel unserer Berührung und des Dialoges mit dem Klienten
ist es aber, den inneren Prozess der Heilung zu fördern.
Dies erstreckt sich weit über das hinaus was ich empfangen,
verstehen oder beschreiben kann. Es ist wichtig zu erkennen
und zu respektieren, dass ich nicht alles weiß, was
sich innerhalb des Klienten abspielt.
Der therapeutische Prozess ist in jedem von uns aktiv.
Durch meinen eigenen Heilungsprozess, gewinne ich tiefere
Einsichten und Vertrauen in die Möglichkeit zur Heilung
in Anderen. Achtsamkeit gegenüber mir selbst und meinem
Prozess, ist die Grundlage für ein verstehen des Prozesses
in Anderen. Der Prozess der Heilung wird von innen her
gelernt; wenn ich Zeuge meines Lebens werde; und wird gelernt
in Beziehung zu jedem Klienten an dessen anderen Heilungsprozess
ich teilnehme.
Darüber hinaus, wenn ich lerne diese Qualitäten
in der Kommunikation mit meinem Klienten anzuwenden, lerne
ich sanfter und effektiver zu mir selbst zu sprechen, ermutigend
und vertrauensvoll.
SCHLUSSFOLGERUNG
Hier ist eine Zusammenfassung des zuvor gesagten. Diese
Punkte sind hilfreich für unsere Art von Therapie,
ob wir Worte gebrauchen oder Stille.
1. Ich erkenne, dass
die Symptomatiken von Muskeln, Geweben und des Geistes
das Ergebnis ihrer natürlicher Fähigkeiten
sind. Der Körper ist ein Freund, der für die
Person arbeitet.
2. Ich drücke Dankbarkeit aus für
diese Bemühungen.
3. Ich schlage vor, das dies ein
Moment sein kann, in dem das Gewebe mit Entspannung ebenso
wie mit Haltemustern experimentieren kann.
4: Meine Vorschläge
sind einfach: Diese Entspannung ist auf den Augenblick
bezogen; das Gewebe behält
sich die Möglichkeit vor, sich anzuspannen oder Widerstand
zu leisten wenn nötig.
5. Die Vorschläge des Therapeuten
betonen positive Fähigkeiten. Es sind kleine Schritte
innerhalb der Möglichkeiten des Organismus.
6. Ich
lerne aus den Erfahrungen meiner eigenen Heilungsreise.
Das hilft mir Mitgefühl zu haben, Geduld und Vertrauen,
mit mir selbst und Anderen.
Meinen allerherzlichsten Dank
an Burkhard Behm, den Übersetzer „par
excellence“ dieses Artikles.
©Anthony P Arnold
Rhythm and Touch Association
5 Balde Road Santa Fe, NM 87508 USA
email tonyarnold@newmexico.com
http://www.rhythmandtouch.com/
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