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CRANIOSACRAL THERAPY: IHRE
ENTWICKLUNG UND SPIRITUELLEN DIMENSIONEN
Anthony P. Arnold, Phd 2001
(Dr. Arnold
arbeitet seit 40 Jahren als Psychologe und seit über
20 Jahren als Körpertherapeut. Er ist
Autor des Buches "Rhythmus und Berührung, Grundlagen
und Praxis der Craniosacral-Therapie" und hat sich
intensiv mit dieser Therapieform auseinander gesetzt. Seine
Vision umfasst die Aufgabe, Therapeuten eine holistische
Art der verbalen und nonverbalen Form der Kommunikation
zu vermitteln.)
Die Craniosacral-Therapie ist seit langem
schon dafür
bekannt, dass sie Linderung bei chronischen Schmerzen und
körperlichen Einschränkungen bringt. Ursprünglich
entstanden aus der Osteopathie, erscheint es sinnvoll,
dass Craniosacral diese Wirkung hat. Weiterhin berichten
viele über eine einzigartige Verbindung ( einen neuen
Zugang ) zu ihrem emotionalen und spirituellen Leben. Klienten
berichten, dass eine CS-Sitzung Erinnerungen wecken und
heilen kann, den Geist erfrischt und neue Lebensenergie
schenkt.
Wie unterscheidet sich diese Therapieform
von anderen?
Gibt es eine spezielle spirituelle Dimension
in der Craniosacral Arbeit?
Wie ist dies entstanden?
Im Allgemeinen wird
in der Medizin versucht, eine objektive sichtweise von
Symptomen und deren Linderung zu bekommen. Anerkannt wird,
was wissenschaftlich untersucht und in Folge nachweisbar
ist. Auch wenn bekannt ist, dass Gefühle
und Lebenseinstellung, Erfahrungen und das eigene Glaubenssystem
Auswirkungen auf die Gesundheit haben, können diese
individuellen Faktoren nicht in ein allgemeingültiges
Forschungsmodell integriert werden. Doch gerade hier liegt
der Schlüssel zur Heilung.
Alternative Therapeuten
begreifen mehr und mehr, dass Lebenseinstellung, Vorstellungen
und Erfahrungen für die Entwicklung
für das Lösen der Probleme des Lebens wichtig
sind.
Es stellt sich die Frage: Was ist zu tun?
Die
wissenschaftliche Sichtweise - der Arzt als Experte ist
zuständig für die Problemlösung – hat
sich auch in anderen therapeutischen Bereichen durchgesetzt.
Somit ist jeder gute Arzt/Therapeut gezwungen, wirksame
Techniken für jedes Symptom parat zu haben.
Wenn sich
die CST sowohl mit körperlichen Beschwerden
als auch mit emotionaler und spiritueller Entwicklung beschäftigt,
wie kann ein Therapeut dann sicher und kompetent reagieren?
Anfänge
Vor über hundert Jahren,
beeindruckte die Gestalt des Schädelgewölbes
einen jungen amerikanischen Osteopathen. Er bemerkte die
große Zahl an Knochen
und Gelenken, die die schützende Umhüllung des
Gehirns bilden. Die herrschende medizinische Meinung dieser
Zeit war jedoch, dass diese schützenden Knochen eine
feste Schale bilden. Er zweifelte diese Doktrin an und
experimentierte mit den Möglichkeiten von Flexibilität
und Bewegung innerhalb dieser Struktur.
Dies war William
Sutherland, dessen Forschungen sich als Student von 1890
bis in die 50er Jahre des 20sten Jahrhunderts erstreckten.
Während seines gesamten Lebens hat er
Lehren und Glaubenssätze in Frage gestellt, die seiner
Logik und Erfahrung widersprochen haben. Er hielt Ausschau
nach Erklärungen die auf seinen Erfahrungen und intensiven
Beobachtungen beruhten.
Er und seine ersten Kollegen fanden
heraus, dass die Knochen des Schädelgewölbes
auf äußeren Druck
mit Zähigkeit und Widerstandskraft reagierten. Darüber
hinaus waren sie davon überrascht, eine feine rhythmische
Bewegung zwischen diesen Knochen zu entdecken. Dieser Rhythmus
ist langsamer als der Atem und weit sanfter als der Herzschlag.
Er verläuft weiter entlang der Wirbelsäule zum
Kreuzbein. Geübte Hände können seinen Widerhall
durch den gesamten Körper spüren.
Schließlich
hat Sutherland eine Erklärung vorgeschlagen.
Die cerebrospinale Flüssigkeit bildet ein nährendes
und schützendes Kissen um das Gehirn und Rückenmark
herum. Sie ist umgeben von einem Gewebe ähnlich einer
Haut, die den Schädel und den Wirbelkanal auskleidet.
Ein unbekannter physischer Prozess bewirkt eine Fluktuation
in der Produktion dieser speziellen Flüssigkeit. Die
daraus resultierende Fluktuation des Flüssigkeitsdrucks
bewegt die Knochen und Gelenke von Kopf und Wirbelsäule.
Faszien
oder Bindegewebe bilden eine Hülle um alle
Knochen und Organe des Körpers. Bindegewebe stellt
die Verbindung her und sorgt für Sicherheit an den
Gelenken zwischen den Knochen. Die Stärke des Bindegewebes
sorgt für andauernde Stabilität und Integrität;
seine Flexibilität erlaubt Sprungkraft und Bewegung.
Beides, Stärke und Sprungkraft sind wichtig für
einen gesunden Funktionszusammenhang. Im Kopf ist es die
Widerstandskraft der Faszien, die zum einen die Bewegung
zwischen den cranialen Knochen erlaubt, sie andererseits
jedoch einschränkt.
Da die rhythmischen Bewegungen
von Cranium, Wirbelsäule
und Kreuzbein Auswirkungen auf den ganzen Körper haben,
geben Variationen der Rhythmen im Körper, Hinweise
auf Muster von Freiheit und Konstriktion in Bindegewebe
und Muskeln. Wenn diese Variationen erkannt werden, ist
eine neue Form der Therapie möglich. Schmerzen und
Restriktionen die nicht auf eine zielgerichtete Manipulation
reagieren, vermindern sich oft bei feinerer Arbeit. Eine
leichte Berührung, in Harmonie mit Beidem, Bewegung
und Restriktion, öffnet ein Tor zu einer vollständigeren
Auflösung der Symptome. Dies ist der Ursprung der
Craniosacral Therapie.
Craniale Osteopathie
Die Osteopathie hat sich
als eine manipulative Form der Intervention entwickelt.
Traditionelle Therapeuten versuchen Gelenksschmerzen und
Konstriktionen zu behandeln, indem sie Knochen entweder
anheben, drücken, oder so verschieben,
dass sie einer idealen Anordnung am Gelenk entsprechen.
Dieser zielgerichtete Ansatz reichte auch in die frühe
Craniosacrale Arbeit hinein. Das spüren des Craniosacralen
Rhythmus jedoch, erfordert eine sanftere Art der Berührung
als allgemein üblich. Dies hat zu einem besonderen
Merkmal in der Entwicklung der Craniosacralen Therapie
geführt: die gesamte Herangehensweise wurde sanfter
als die konventionelle Osteopathie.
Um mit diesen sehr subtilen
Rhythmen zu arbeiten, lernen Therapeuten ruhig zu sitzen,
die Hände in Position.
Sie spüren über die Haut hinaus, lauschen über
den Atem oder den Herzschlag hinweg, der rhythmischen Bewegung,
die allem Anschein nach, ihren Ursprung im Bereich des
zentralen Nervensystems hat.
Nicht länger konnte der
Therapeut einfach eine Reihe von Standard-einrichtungen
an seinen Patienten vornehmen. Er nimmt als erstes Kontakt
auf und beobachtet. Der Therapeut lernt ruhig präsent
zu sein, sich durch Berührung
in einen non-verbalen Dialog einzuklinken. Ein besonderer
Nachdruck bezüglich der Qualität der Präsenz
und Wahrnehmungsfähigkeit wurde zu einem Merkmal von
Craniosacraler Arbeit. Die Standardanwendungen stellen
in erster Linie einen Rahmen dar, in denen der Therapeut
das Herz der Arbeit lernen kann: mit Respekt und Achtung
zu berühren, zu beobachten, zu folgen, unterstützen
und ermutigen.
Prinzipien dieser Arbeit: zweierlei Richtungen folgen
Die Osteopathie und verwandte Formen alternativer Therapie
behaupten, dass der Körper den Schlüssel zur
Heilung in sich trägt, dass der Therapeut den natürlichen
Heilungsprozess anregt oder unterstützt. Es gibt
jedoch eine große Bandbreite in der Anwendung dieser
fundamentalen Aussage. Wie nimmt der Einzelne daran Teil
und unterstützt den natürlichen Heilungsprozess.
Den Körper leiten, von einem Plan ausgehen
Traditionell,
richtet der Therapeut den Körper wieder
aus. Wenn das Gelenk wieder genau ausgerichtet ist, nehmen
die Muskeln und das Bindegewebe wieder eine natürlichere
Ausrichtung ein. Körpergewebe kann sich entspannen;
auf Nerven wird weniger Druck ausgeübt. Schmerzen
vermindern sich; die Beweglichkeit kehrt zurück.
Dieser
Ansatz betont das Wissen des Therapeuten. Er hat das ideale
Zusammenspiel von Knochen und Gelenken studiert. Er folgt
Standardtechniken um Gelenke einzurichten, spielt offenbar
eine führende Rolle in der Wiederherstellung
des Gleichgewichts im Körper.
Die ist der ursprüngliche
Kontext der Craniosacralen Arbeit. Der Therapeut berührt
einen bestimmten Bereich, die Hände in genau dieser
Weise aufgelegt. Wenn er ruhig wird, beginnt er die feinen
Bewegungen des Craniosacralen Rhythmus zu spüren.
Er bemerkt die Qualität des
Rhythmus und wie dieser sich in den Muskeln und Knochen
dieses Bereiches ausdrückt. Der traditionellen Arbeitsweise
folgend, wird er die Bewegungsmuster leicht verstärken
oder ihnen widerstehen. Er versucht ihn symmetrisch werden
zu lassen, ihm einen ruhigen doch klaren Ausdruck zu verleihen.
Der Ausgleich und die Freisetzung des Craniosacralen Rhythmus
geht einher mit der Lösung von Muskelspannungen und
Beschwerden. Diese subtile Arbeit hat der betreffenden
Person wirksame Erleichterung von schon lange anhaltenden
Schmerzen und von eingeschränkter Beweglichkeit verschafft.
Doch
rein manuelle und symptomorientierte Techniken helfen nicht
immer. Wenn der Körper schon für länger
Zeit unter Schmerzen und Funktionseinschränkungen
zu leiden hatte, passt er sich an. Der Körper entwickelt
ein Kompensationsmuster, das im Bezug auf die Einschränkung,
ein größtmögliches Maß an Funktionalität
erlaubt. Muskeln und Bindegewebe spannen sich oft an, um
den verletzlichen Bereich zu unterstützen und zu schützen.
Der Körper findet Mittel und Wege sich entsprechend
zu bewegen und den betroffenen Bereich zu umgehen.
Wenn
der manuelle Therapeut sich auf ein bestimmtes Symptom
konzentriert, übt der Körper manchmal Widerstand
gegen den Versuch aus, in seine Kompensationsmuster einzugreifen.
Die therapeutische Anwendung löst eine Verteidigungsreaktion
im Körper aus. Muskeln und Bindegewebe verhärten
sich dann noch stärker. Die Intervention die manchmal
Erleichterung verschafft, kann auch Schmerz und Verspannungen
auslösen. Die Craniosacral verschafft oft in genau
diesen Fällen Erleichterung. Der Grund dafür
liegt in der besonderen Qualität dieser Methode. Sie
wird in den folgenden Seiten beschrieben.
Jenseits von manueller Therapie
Selbst wenn Craniosacral
Therapeuten diesem manipulativen und doch sanften und wirksamen
Model folgen, lädt
ihre Erfahrung sie dazu ein, über ihren Wissensrahmen
hinaus zu gehen.
Wahrnehmung erweitert sich: mit leichterer
Berührung,
nehmen wir eine größere Bandbreite von Bewegungen
und Geschehnissen im Körper wahr.
Die Therapeuten berühren
in leichter Weise, um die feinen Nuancen des Craniosacral
Rhythmus wahrzunehmen. Mit leichter Berührung beginnt
der Körper sich
zu entspannen. Muskeln und Bindegewebe lösen einige
ihrer schützenden Spannungen. Während der Therapeut
weiter in ruhiger und aufmerksamer Weise präsent bleibt,
beginnt der Organismus selbst, mit einem Prozess der Freisetzung
und Reorganisation.
Viele Anzeichen begleiten diesen Freisetzungsprozess.
Therapeuten bemerken Wärmeentwicklung, kribbeln, pulsieren,
anspannen, loslassen, Verhärtung und Weichheit. Es
gibt Augenbewegungen, Veränderungen der Atmung und
der Hautfarbe. Die Wahrnehmungsfähigkeiten
des aufmerksamen Therapeuten erweitern sich soweit, dass
sie sehr feine Nuancen von Berührung, Bewegung und
Beobachtungen miteinbeziehen.
Zusätzlich zu den körperlichen
Empfindungen, sind Therapeuten oft berührt von Gefühlen,
wie einer inneren Leichtigkeit oder Schwere, Anspannung
oder Erleichterung. Diese sind begleitend, aber nicht gleichbedeutend
mit dem Ablauf des Freisetzungsprozesses wie er vom Klienten
erfahren wird.
Freisetzung geht über das Symptom hinaus
Wenn Therapeutin
und Klientin dieses innere Geschehen beobachten, wird es
klar, dass mehr vor sich geht als den Erwartungen entsprechend.
Wenn eine Lösung in einem Bereich des
Körpers gespürt wird, reagieren andere Bereiche.
Sie werden weicher oder spannen sich an. Das Gleichgewicht
des Muskeltonus findet ein neues Muster im gesamten Körper.
Die Lösung eines Symptoms beinhaltet das Lösen
von Spannungen in vielen anderen Regionen des Körpers,
Regionen, die keine offensichtliche Verbindung miteinander
oder mit der Handposition des Therapeuten haben.
Es wird klar, dass das schmerzhafte Symptom nur den offensichtlichen
Teil eines größeren Musters adaptiver Verspannungen
darstellt.
Der Körper findet seinen Weg in Richtung
Heilung. Er benutzt die unterstützende Präsenz
der Therapeutin in einer Weise, die über rationales
Wissen und Absicht hinausgeht. In dieser Weise, zeigt sich
Heilung als ein inneres Geschehen, angeregt oder gefördert
durch eine Therapiesitzung. Aber weit mehr sind hieran
beteiligt als die Techniken die von der Therapeutin angewendet
werden.
Der Freisetzungsprozess zeigt den Weg
So wie Freisetzung
und Ausgleich die Therapieziele sind, gibt der Lösungsprozess
innerhalb des Körpers
während der Sitzung die Richtung an. Dieser Freisetzungsprozess,
der von der Fähigkeit des Organismus und dem inneren
Wissen gespeist wird, ist grundlegend. Er ist weit wichtiger
als das Ausüben einer bestimmten Therapieform.
Heilung
jenseits des Körperlichen: Erinnerungen,
Gefühle, Geist
Bei der Freisetzung lange gehaltener Verspannungen, taucht
unterdrückter Schmerz auf und löst sich auf.
Fragmente von Gedanken, Bildern und Gefühlen durchdringen
die bewusste Wahrnehmung. Diese Impressionen mögen
ein Thema repräsentieren, oder sie können zufällig
erscheinen.
Zu anderen Zeiten, liegt die Klientin still da, einsinkend
in einen entspannten und friedvollen Raum. Körperliche
Anzeichen vermindern sich und das Sprechen ist nicht einfach.
Dies kann für die Therapeutin schwierig sein, die
nur auf die offensichtlichen körperlichen Freisetzungszeichen
angewiesen ist. Diese gewöhnlichen Zeichen werden
ersetzt von einer Aura der Ruhe oder innerer Beschäftigung.
Die Klientin ist sich der Therapeutin und des Umfeldes
bewusst, jedoch aus einer Entfernung. Danach mag es nur
die Erinnerung daran sein, tief in sich Selbst gewesen
zu sein.
Wenn sich körperliche Spannungen lösen, wenn
Gewebe weicher werden und eine mehr natürliche
und entspannte Position einnehmen, vermindert sich der
Klammergriff alter Ängste und Zweifel. Der Lösungsprozess
vervollständigt sich in Körper, Geist und Seele.
Nach so einer Erfahrung, kehren Klienten in den normalen
Bewusstseinszustand zurück mit dem Gefühl von
Leichtigkeit, Freiheit und Wohlgefühl.
Mehr über
lebendige Erfahrungen und Bilder des Freisetzungsprozesses
Eine
Welle von Schmerzen, Bildern oder Gefühlen, kann
einhergehen mit diesem tiefgreifenden inneren Prozess.
Gewöhnlich taucht solch eine Erfahrung auf, erreicht
einen Höhepunkt und löst sich auf. In der darauf
folgenden Ruheperiode werden Bindegewebe und Muskeln weicher
und ausgeglichener. Dies ist ein Zeichen der Vervollständigung
einer Phase in einem größeren Geschehen.
Lebendige
Empfindungen, Bilder und Erinnerungen, können
für die Therapeutin ebenso wie für die Klientin
faszinierend sein. Einige therapeutische Schulen fühlen
sich dazu berufen mehr Anleitung zu geben. Nachfragen und
nachhaken kann diese flüchtigen Eindrücke halten
und intensivieren, so dass sie einen deutlicheren Eindruck
auf das Bewusstsein haben. Es gibt jedoch keinen Hinweis
darauf, dass diese gut gemeinten Interventionen wirksamer
sind im Bezug auf eine größere Freiheit und
der Lösung von Verspannungen. Solch ein Bemühen,
mag nicht viel mehr bewirken, als die Befriedigung einer
wißbegierigen Neigung. Darüber hinaus, kann
es den Fluss der von innen heraus wirkenden Heilung stören
Erinnerungen
sind nicht eine genaue Wiedergabe vergangener Ereignisse.
Sie repräsentieren eher eine Sichtweise
der Vergangenheit, eingefärbt von daraus folgenden
Gedanken und Erfahrungen. Sie repräsentieren die Summe
der Hoffnungen und Ängste, die sich um einen ungelösten
Verlust oder Schmerz angesammelt haben. Sie zeigen sich
genau so, wie der Einfluss des Vergangenen sie einfärbt.
Wahre
Heilung ist ein umfassender Prozess, der die Gesamtheit
des Einzelnen miteinbezieht. Sie geht über die begrenzte
Sicht des bewussten vernunftbetonten Geistes hinaus. Ihr
Ziel ist die Auflösung lange unterdrückter Schmerzen,
nicht deren Erklärung und sorgfältige Ausarbeitung.
Der Schlüssel dazu liegt darin, den Freisetzungszeichen
des Körpers zu folgen, anstelle des Versuchs, die
Erinnerungen in einer stichhaltigen und logische Sequenz
zu organisieren.
Der Heilungsprozess kann sich noch Stunden
oder Tage nach einer Sitzung fortsetzen, in denen sich
im Organismus das neue Gleichgewicht festigt. Die Klientin
ist sich kleiner Veränderungen im Körper bewusst.
Viele berichten von einem frischeren und leichteren Gefühl
sich Selbst und dem Leben gegenüber.
Zusammenarbeit
Diese Arbeitsweise verkörpert Zusammenarbeit
zwischen Therapeutin und Klientin. Obwohl die Symptome
von Personen gleich erscheinen, ist das innere Muster welches
die Symptome hervorruft einzigartig. Ein besonderes Einschränkungsmuster
repräsentiert die Gewohnheiten eines ganzen Lebens,
die physischen und persönlichen Versuche mit den Verletzungen
und Problemen des Lebens umzugehen. Sie sind das Ergebnis
der einzigartigen Bemühungen des Individuums, im täglichen
Leben gut zu funktionieren.
Dem entsprechend, ist der Weg
der Lösung, einzigartig
für jede Person. Der Körper zeigt ein kaleidoskopisches
Bild der gesamten Person. Was immer auch diese Gesamtheit
ist, das natürliche Erbe, die gesammelten Erfahrungen
und Fähigkeiten der Person: Dieses Individuum trägt
den Keim zur Heilung, und die einzigartigen Schritte die
dazu notwendig sind in sich.
Durch Erfahrung lernen wir, die vergangenen und gegenwärtigen
Bemühungen der Klientin, mit den Umständen fertig
zu werden und weiter zu funktionieren, zu respektieren.
Dieser Respekt ist die Grundlage für Vertrauen und
Sicherheit im therapeutischen Austausch. Vertrauen und
Sicherheit schaffen ein Umfeld für das vollständige
Erwachen derjenigen Kräfte im Individuum, die für
eine Reorganisation und Neuausrichtung sorgen. Die Therapeutin
lernt diesen mächtigen inneren Prozess zu unterstützen
und der Richtung zu folgen, die jeder Person innewohnt.
Das
Ganze Heilen
Wenn eine Person nach einer Sitzung mit einem neuen Gefühl
von Leichtigkeit und Freiheit aufsteht, fehlen Ihr oft
die Worte. Der Körper bewegt sich freier, fühlt
sich leichter an. Die Füße fühlen sich
mehr verbunden mit der Erde. Ein Gefühl der Behaglichkeit
und Wohlbefinden umgibt den Körper. Wir spüren
dies in den Muskeln und Gelenken, der Atmung, den Sinneseindrücken.
Gleichzeitig geht dieses Gefühl über den Körper
hinaus, die Erde, den Moment. Beim Versuch es zu beschreiben,
greift jeder von uns auf Bilder der Kindheit, Familie und
Kultur zurück. Doch je mehr wir versuchen, uns in
Worten auszudrücken, umso mehr entfernen wir uns von
der Erfahrung selbst. Die Fülle der Heilungserfahrung,
geht über das körperlich und wissenschaftlich
nachweisbare hinaus: Jenseits von Kultur und Glauben.
Das
Heilige oder das Spirituelle scheinen oft präsent
zu sein. Und doch bleibt uns ein objektives Verständnis
dieser Präsenz verborgen. Alle Spekulationen und Beweise
von Theologie und Philosophie sind mentale Konstrukte.
Sie haben ihren Ursprung in einer besonderen Denkweise
und Glaubensvorstellung. Die Geschichten von Mystikern
und Heiligen sind Metaphern, geformt durch persönliche
Erfahrungen und Kultur. Sie vermitteln einen Eindruck,
jedoch keine genaue Beschreibung.
Ich glaube es ist stimmig,
die Werthaltigkeit von außerkörperlichen
Erfahrungen anzuerkennen. Doch ist es weise, die Flüchtigkeit
rationalen Verstehens zu erkennen. Wenn das Heilungsmuster
für jede Person einzigartig ist, ist auch die spirituelle
Qualität der Heilung einzigartig und jenseits rationaler
Führung. Es ist am „Organismus“ den wir
berühren, uns über die Begrenzungen rationalen
Denkens hinaus zu führen, hin zu einem umfassenderen
Verständnis des Heilungsprozesses.
Der Organismus offenbart sich Selbst, kommuniziert mit
mir durch meine Sinne: Ob mit den gewöhnlichen physischen
Sinnen, oder mit den erweiterten Wahrnehmungsfähigkeiten,
welche durch diese Arbeit kultiviert wurden. Somit manifestiert
sich das Individuum durch seine Besonderheit. Ich nehme
unmittelbar ein Zeichen wahr, ein Signal, eine Bewegung,
eine Stimmung. Zuweilen ist diese Einheit, diese Ganzheit
greifbar Nahe. Doch sie gehört zu einer anderen Dimension;
sie bleibt unserem rationalen Zugriff entrückt, weit
jenseits des denkenden Geistes.
Das was wir als Spirituell
bezeichnen ist immer bei uns, bemerkt oder nicht. Die Craniosacrale
Arbeit hilft meiner Wahrnehmung sich der spirituellen Dimension
zu öffnen.
Zuweilen hat dieses Andersartige in meinem Bewusstsein
die Oberhand. Zu anderen Zeiten, überwiegt in meiner
Wahrnehmung der physische oder emotionale Aspekt.Sie
sind Teile oder
Dimensionen einer größeren,
weniger sichtbaren Ganzheit. Was wir als physisch, emotional
oder spirituell bezeichnen, ist eine
Sammlung von Signalen der Gesamtheit
des Individuums. Diese Signale tauchen
auf, wenn das Bewusstsein eingestimmt,
aufnahmebereit ist. Darüber hinaus
entstehen sie aus dem Kontext des Körpers.
Der Körper ist, meiner bewussten
Wahrnehmung entsprechend, die vereinende,
erdende Matrix, von der ausgehend, sich allem Anschein
nach, die Natur des Spirituellen, Emotionalen
oder Physischen differenziert und offenbart.
Craniosacrale
Therapie selbst ist nicht heiliger
oder spiritueller als andere Wege.
Der Schlüssel zur Heilung liegt
nicht in einer Reihe von Techniken.
Er befindet sich nicht in einer speziellen
Handposition. Es ist eher so, dass
Craniosacral einen Rahmen vorgibt,
innerhalb dessen wir lernen zu berühren.
Es ist eine Weise mit jemand anderem zu sein, und aufeinander
zu reagieren, die uns einen vollständigeren Zugang
zu Heilung gibt.
Darüber hinaus, leiten sich die heiligen
und spirituellen Erfahrungen dieser Therapie nicht nur
aus dem Craniosacralen Rhythmus und der cerebrospinalen
Flüssigkeit her.
Es würde an Aberglauben grenzen, solch einen Glauben
zu vertreten. Kulturen und Glaubensvorstellungen haben
den verschiedensten Körperteilen besondere Wichtigkeit
zugeschrieben. Das Sakrum ist heilig. Das Herz ist heilig.
Der Atem repräsentiert den Geist oder die Seele.
Alles
ist heilig. Kein Teil ist heiliger als ein anderer. Die
besondere, spirituelle Qualität von Craniosacral
entsteht durch die Art und Weise der Achtsamkeit, der Stille,
dem tiefen Respekt und Vertrauen den sie zwischen Klientin
und Therapeutin erzeugt.
Meinen allerherzlichsten Dank an Burkhard Behm, den Übersetzer „par
excellence“ dieses Artikles.
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